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16 Monate Familienbett // Schluß mit dem schlechten Gewissen

Kolumne, LifestyleMareen4 Comments
Foto: Andres Rodriguez

Foto: Andres Rodriguez

Ihr kennt sie, die Frage aller Fragen. "Und schläft euer Kind schon im eigenen Bettchen?" Gähn! Nein, tut sie nicht. Auch nicht mit 16 Monaten. Hedi schläft bei Mama und Papa im Bett. Nacht für Nacht und das schon seit ihrer Geburt. "Aber so langsam muss sie sich ja auch mal an ihr eigenes Bett gewöhnen!" Ja, muss sie das? Wo steht das geschrieben?

Ich möchte hier gern eine Lanze für alle Eltern brechen, die sich verunsichert fühlen, sobald diese fiesen Fragen von Bekannten, Verwandten und Freunden auf sie niederprasseln. Und die beginnen ja nicht erst mit der Geburt, sondern schon ziemlich schnell nach Bekanntgabe der Schwangerschaft. "Wie, ihr wollt keinen Geburtsvorbereitungskurs machen?" "Den Namen würde ich nicht nehmen. Der Kleine wird nur gehänselt damit."

Es ist ein ewiger Kreislauf aus gut gemeinten Ratschlägen, die für Eltern oft in ein ungutes Gefühl umschlagen. Und deshalb: Lasst euch nichts reinreden. Ihr seid jetzt eine Familie, die ihren eigenen Weg geht. Lebt nicht nach den Regeln anderer, sondern nach euren Vorstellungen - manchmal auch einfach nur aus dem Bauch heraus. Wenn ihr euch gut und sicher fühlt, dann spürt das auch euer Kind. Warum solltet ihr 24 Stunden verkrampft leben, nur um 30 Minuten von einer anderen Person Anerkennung zu bekommen?

Bleiben wir beim Thema "Schlaf". Mit unserer Umsetzung vom Familienbett fühlen wir uns ein bisschen wie Exoten und oft wie die totalen "Falschmacher". Warum Hedi bis heute nicht in ihrem eigenen Bett schläft, das wissen wir selbst nicht. Wir haben ehrlich gesagt bisher auch keinen einzigen Versuch unternommen etwas daran zu ändern. Und ja warum eigentlich auch? Ist es doch schließlich für uns als Familie die beste Variante wertvollen Schlaf zu bekommen.

Ich habe Hedi fast 9 Monate lang gestillt - auch Nachts. Undenkbar wäre es für mich gewesen, ständig aufzustehen, um ihr die Brust zu geben. (Obwohl ich im Kopf immer diese Vorstellung von der Mutter hatte, die Nachts im Schaukelstuhl sitzt und ihr Kind stillt. Zu viele Hollywood Filme geschaut.) Im gemeinsamen Bett hieß es jedenfalls nur noch: andocken, trinken und weiterschlafen. Für uns war es die perfekte Lösung. Das muss nicht für andere Eltern gelten.

Danach sind wir auf ihren Wunsch hin auf die Flasche umgestiegen. Auch hier war es bequemer vom Bett aus schnell das Fläschen zu machen als über Umwege in der Küche in ihr Zimmer zu rennen. Und heute? Auch heute möchte Madame noch gern 2 bis 3 Mal (ein ziemlich verdünntes) Nachtfläschen. Jaaaa, sie bekommt noch die Flasche. Auch für diesen Fakt habe ich mich eine Zeit lang geschämt. Kassierten wir dafür auf der Weihnachtsfeier im Kinderladen von den anderen Eltern tatsächlich hämische Blicke. Natürlich wurde uns auch gleich erklärt, wie so eine Abgewöhnung am besten funktioniert: Eine Woche schreien lassen und fertig.

Hört sich an wie die Sache mit dem Schlaftraining: Einfach ins eigene Bett packen, schreien lassen und irgendwann ist Ruhe. Es gibt eine Sache, die ich meinem Kind niemals antun werde und das ist: Schreiend alleine lassen. Ich habe mal einen tollen Text dazu gelesen, der mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist. Ein Kind benötigt in den ersten Jahren die Liebe, Fürsorge und die Sicherheit seiner Eltern und möglichst viel Körperkontakt. Wird dieser Tank mit Liebe reichlich aufgefüllt, kann der Mensch ein Leben lang in Krisensituationen darauf zurückgreifen. Und genauso möchten wir unser Kind erziehen. Meine Hebamme nannte das "bedarfsorientiert". Das Baby bzw. Kleinkind nach Bedarf schlafen lassen, füttern und lieben.

Klar, erwische ich mich ab und zu dabei wie ich ein bisschen neidisch werde oder an uns zweifle, wenn ich mitbekomme, dass andere Kinder schon mit 6 Monaten (angeblich) friedlich in ihrem eigenen Zimmer zehn Stunden durchschlafen. Aber man sollte sich von solchen Geschichten nicht blenden lassen, denn jedes Kind ist anders. Und dem einen Kind macht es nichts aus allein zu schlafen, dem anderen dafür umso mehr. Denn es gibt sie eben doch: Die guten Schläfer und die schlechten Schläfer.

Damit möchte ich gar nicht sagen, dass unsere Maus eine schlechte Schläferin ist. Das ist sie in der Tat nicht. Sie entscheidet Abends seit vielen Wochen selbst, dass sie jetzt schlafen möchte und geht ganz freiwillig mit Mama (ja, es darf grade nur Mama sein) ins Bett. Dann gibt es eine leckere Flasche, eine kleine Kuscheleinheit und ein Liedchen. Und meistens ist sie nach 5 (gute Tage) bis 40 Minuten (schlechte Tage) im Traumland. Da bleibt sie dann auch sage und schreibe 12 Stunden lang - eben mit kleinen Unterbrechungen, die sie gar nicht mitbekommt. Dafür wir natürlich umso mehr.

Wann für uns der richtige Zeitpunkt kommt unser Bett nicht mehr mit Hedi zu teilen, wird sich zeigen. Eilig haben wir es jedenfalls nicht. Es wird mit Sicherheit der Tag kommen, wo unser Mädchen von alleine sagt, dass sie heute Nacht in ihrem Zimmer schlafen möchte. Ein Bettchen steht jederzeit bereit. Dann werde ich die Erste sein, die die ganze Nacht wach liegt und ihr Gewühle, ihre Wärme, das Schniefen und ihren Babyduft (mmhmmm ... nach Pfannkuchen - lecker) vermissen wird. Ich werde es wahrscheinlich sogar noch vermissen, wenn sie 25 Jahre alt ist und schon lange in einer Studentenwohnung wohnt.

Ich bin mir sicher, dass wir eines Tages als Eltern gerade solchen Momenten, die oft nicht einfach sind, hinterher weinen werden und deshalb möchte ich jede Nacht mir ihr einfach nur genießen. Und dazu gehört auch, sich nicht von der Meinung anderer Menschen verunsichern zu lassen. Denn letztlich geben wir als Familie den Takt an - unseren ganz eigenen Takt des Zusammenlebens. Und so kuschelig Simon und ich schon immer waren, so kuschelig ist eben auch unsere Tochter. Von irgendjemandem muss sie es ja haben, die kleine Klette. <3