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Allein unter Müttern: Als Vater in der Krabbelgruppe

Kolumne, DaddySimonComment
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Es ist leider immer noch nicht selbstverständlich, dass ein Vater das komplette erste Jahr in Elternzeit mit seinem Kind verbringt. In vielen Köpfen ist es nach wie vor üblich, dass die Mutter sich um das Kind kümmert und der Mann das Geld verdient. Ich möchte euch heute über meine Erfahrungen in unserer Krabbelgruppe berichten, denn ich bin einer dieser Männer, die 12 Monate Windeln wechsel, Kinderwagen schieben und Brei kochen.

Seit einem Monat gehe ich nun mit Hedi regelmäßig "krabbeln". Mareen und mir war es von Anfang an wichtig, unsere Tochter schon vor der Kinderladenzeit an andere Kinder und Eltern zu gewöhnen. Da sie monatelang ausgiebig gefremdelt hat, erschien uns das umso wichtiger.

Im Umgang mit Gleichaltrigen lernen Kinder nämlich vieles schneller als allein zu Hause. Ob es die Sprache, die Motorik oder schlicht weg nur die Geräuschkulisse ist: Die Erfahrungen in der Krabbelgruppe stärken und machen fit für das Leben. Forscher einer britischen Studie vermuten sogar, dass der Kontakt mit den Bakterien anderer Babys das Immunsystem eines Kindes trainiert.

Seit dem ersten Tag bin ich der einzige Vater in unserer Gruppe, die sich einmal pro Woche im Familienzentrum trifft. Das zweistündige Treffen ist kostenlos und wird von einer super netten Erzieherin geleitet. Jedes Elternteil kann mit seinen Kindern im Alter von 5 bis 16 Monaten unangemeldet dort hingehen. Wir tauschen uns über verschiedene Themen aus und lassen unsere Kinder im geschützen Bereich spielen und die Welt entdecken.

Auch wenn es mir beim ersten Treffen sichtlich schwerer gefallen ist, mich den anderen Müttern zu öffnen, wurde ich nach kurzer Bemusterung offen und herzlich empfangen. Klar ist es als Mann befremdlich, wenn fremde Mütter über ihre Stillprobleme sprechen oder die neuesten Brei-Rezepte austauschen, aber es gehört eben dazu. Es ist eben ein anderer Schnack, wenn sich eine Gruppe von frischgebackenen Müttern trifft und ich als einziger Mann dazukomme.

Schnell musste ich auch feststellen, das Kinder lustige "Singspiele" super finden. Zu meinem Leid, denn ein bisschen komisch kommt man(n) sich schon beim Singen und Klatschen vor. Meine Tochter findet es übrigens super, wenn gesungen und rumgehampelt wird, also muss Papa sich zusammenreißen und fröhlich mitgröhlen.

Auch wenn ich wegen meiner langen Elternzeit wahrscheinlich immer ein Exot in meinem Bekanntenkreis bleiben werde, die vielen gemeinsamen Momente mit meiner Tochter entschädigen für alles. Für sie bin ich der beste Papa der Welt und das ist mehr Lohn als jede Arbeit, die ich bisher verrichtet habe.