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Mutterliebe: Wenn ein Lächeln die Währung ist

Mommy, KolumneMareen1 Comment
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Nun ist er da, der erste Geburtstag als Mama. Ausschlafen ist nicht drin. Hedi ist wie gewohnt so richtig schön früh wach. Dank der Zeitverschiebung in London heute schon um 5:30 Uhr. Mit voller Windel, aber einem strahlenden Lächeln im Gesicht, begrüßt sie mich. Sie turnt auf mir herum und freut sich, dass der Tag endlich beginnt. Hedi ist das Gegenteil eines Morgenmuffels, im Gegensatz zu mir. Das ich heute 32 Jahre alt werde, geht logischerweise an ihr vorbei. An mir auch, denn um diese Uhrzeit ist selbst mir nicht nach Geschenke auspacken. Die Nacht war mittelprächtig. Der Kopf voll mit Gedanken, das Kind beschäftigt mit dem Verarbeiten der Anreise und das Hotelbett etwas zu weich. Während ich sie mit ihrer allmorgendlichen guten Laune beobachte, wird mir plötzlich klar, wie sehr sich unser Leben in den letzten Monaten verändert hat.

Ganz schön umgeschaut haben wir uns kurz nach der Geburt. Was so ein Baby einem alles abverlangt, wir Ahnungslosen! Nie hätten wir uns vorstellen können, wie müde wir jemals sein würden. Aber irgendwie schafften wir es trotzdem noch gerade zu stehen und aus den Augen zu schauen. Nie hätten wir vermutet, wie sehr einem der Rücken vom stundenlangen Tragen eines Säuglings wehtun kann. Unvorstellbar auch, nach stundenlanger Baby-Betüttelei Nachts festzustellen, dass man das letzte Mal vor 14 Stunden was nahrhaftes im Magen hatte. Wo war der Hunger hin? Ja, Eltern sind Kampfmaschinen. In solchen und vielen anderen Momenten erschien uns das Leben »davor« als das ausgemachte Paradies auf Erden. Oft gab es Tage, an denen wir dachten, schlimmer kann es nicht mehr kommen. Und doch: Es gibt immer noch ein on Top - quasi, die unzensierte Fortsetzung des Erlebten.

Manchmal fragten wir uns, ob es anderen Eltern auch so ergeht. Und wo überhaupt entstehen diese romantischen Werbespots junger Eltern. Wer hat sich diesen Unsinn ausgedacht? Dieser Mensch hielt wohl noch nie ein Baby auf dem Arm, das Hunger oder volle Windeln hatte oder müde war, aber es nicht wahrhaben wollte. Aber jetzt mal halt! Doch, es gibt diese ganz magischen Augenblicke. Sie sind nur anders als das, was man aus Spots oder Filmen kennt. Diese Momente, die man festhalten möchte, ganz doll und aus denen man einen Schwarzweißfilm drehen möchte, den man sich immer und immer wieder anschauen kann.

Dieser Moment passiert jetzt gerade hier in London. In einem Hotelbett morgens um halb sechs. Meine Tochter sitzt mittlerweile ruhig vor mir. Sitzen ist nämlich aktuell ihre Lieblingsbeschäftigung, denn dann kann sie alles genau beobachten. Mein Mädchen sitzt nun da, lacht mich an und klatscht dabei vergnügt in die Hände. Es ist aber nicht irgendein Lächeln. Es ist ihr Schönstes - über beide Backen. Dabei strahlen ihre kleinen glänzenden Knopfaugen ganz hell. Als möchte sie sich heute an meinem Geburtstag für die letzten Monate bedanken. Als möchte sie sagen: Mama, es war nicht immer einfach, aber ich liebe dich.

Für solche Minuten lebt man als Mutter. Vergessen sind all die schlaflosen Nächte, Schmerzen, Sorgen oder Ängste. Am Ende zählt nämlich nur, dass es dieses bezaubernde Wesen gibt und das Bewusstsein, dass nach dem vermeintlich kinderlosen Paradies eine ganz neue Welt auf uns wartet. Zwar eine, die weniger bequem ist, dafür aber viel mehr kann als die Alte. Eine, die mehr Sinn ergibt und mich komplett anders denken, fühlen, handeln und leben lässt. Aber vor allem wartet eine Welt, die voll ist mit Liebe für diesen winzigen Menschen. Eine Welt, in der die Währung für bedingungslose Liebe ein einfaches Lächeln ist.

In diesem Sinne: Happy Birthday to me!