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Persönliches Lifestyle Blogazine für Eltern & Nicht-Eltern

Affenzirkus im Kinderabteil // Unterwegs mit der Bahn

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Mareen, Hedi und ich sind nun schon öfter mit der Deutschen Bahn durch das Land gefahren, obwohl wir eigentlich Besitzer eines Autos sind. Für einige Strecken ist es aber dennoch ganz praktisch und ehrlich gesagt, ist unsere Tochter bisher keine gute Mitfahrerin. Sie kann Autofahren nämlich überhaupt nicht leiden und fängt schon nach fünf Minuten an zu meckern. Wir hoffen auf Besserung, wenn der Maxi Cosi gegen einen größeren Kindersitz ausgetauscht wird.

Seit wir also zu Dritt sind, geht es deshalb öfters mit der DB innerhalb Deutschlands auf Reisen - natürlich mit einer Reservierung für das Kinderabteil. Leider ist das besagte Abteil nicht immer das, was man sich als Elternteil erhofft. Abstellmöglichkeiten für den Kinderwagen, Wickelkommode und Spielmöglichkeiten werden auf der Website zwar angepriesen, sind aber in der Realität meistens nicht vorhanden. Das Vergnügen in exakt so einem Kinderabteil zu sitzen, hatten wir bei sechs Fahrten lediglich ein Mal. Schlechte Quote, würde ich sagen. Bei fünf Fahrten sahen wir in einem stinknormalem kleinen Zugabteil, das lediglich außen durch die Beschriftung "Kinderabteil" gekennzeichnet wurde und sich nicht von den anderen Reiseabteilen unterschied.

Die beengten Kabinen waren tatsächlich jedes Mal so verdreckt, dass wir selbst im Traum nicht daran dachten, unsere Schuhe auszuziehen, geschweige denn unser Kind dort krabbeln zu lassen. Bevor wir allerdings das Glück hatten, dort Platz nehmen zu dürfen, gab es öfters einen Kampf um die Sitzplätze. Denn leider sitzen in den Kleinkinderabteilen auch Passagiere (ja, auch Eltern) ohne Reservierung. Dann wird erstmal scharf über die eigene Reservierung diskutiert bis man schlussendlich dann doch auf seine Plätze darf. Auch wenn das nervt, ist das ein Klacks im Vergleich zu den wirklich miserablen hygienischen Verhältnissen, die wir dort vorfanden durften. Wir erwarten sicher keinen Standard wie im Hotelzimmer, aber diese Abteile sind dreckiger als jede Berliner S-Bahn.

Vergangenes Wochenende durften wir die Bekanntschaft einer ganzen Reisegruppe von Kindern und deren Eltern im Kinderabteil machen. Auf geschätzten fünf Quadratmetern ging es zu wie in einer Großraumkita, denn die beiden Elternteile hatten noch mitreisende Freunde plus deren zwei Kinder ins Abteil gewunken. Die vier offensichtlich sehr antiautoritär erzogenen Kinder kletterten über die Sitze, schmierten ihre in Butterbrot versifften Hände an jeden Millimeter des Abteils und schrien wie eine verrückt gewordene Indianermeute. Währenddessen tauschten sich die tief entspannten Hippie-Öko-Eltern über ihre Punker-Kita in Pankow aus. Ja, sowas gibt es anscheinend wirklich in Berlin.

Dazu kam unser völlig übermüdete Tochter, die eigentlich ihren ersehnten Mittagsschlaf im Kinderwagen benötigte. Nachdem sich dann endlich nach und nach die verrückt gewordenen Familienmeute aus dem Kleinkinderabteil der Deutschen Bahn verflüchtigt hatte, kehrte endlich ein wenig Ruhe ein und unsere Tochter konnte den Rest der Reise schlummern. Was sie natürlich nicht tat, denn der Überreizung zeigte ihre Wirkung.

Dennoch, wer mit Kindern auf Reisen ist und mit der Bahn fährt, der sollte definitiv seine Plätze im Kinderabteil reservieren. Auch wenn der Boden sowie der Rest oft mega dreckig ist, fährt man wahrscheinlich immer noch entspannter als in den restlichen Abteilen des Zuges. Außerdem hat man nach so einer Fahrt immer eine gute Story zu erzählen.