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Kinderladenzeit // Das Küken verlässt das Nest

Kolumne, BabySimon18 Comments

Seit Wochen bin ich nervös und aufgeregt. Wer mir begegnet, der weiß: Es gibt nur ein Thema, um das sich meine Gedanken drehen. Es geht um den nächsten großen Schritt. Die Eingewöhnung meiner Tochter im Kinderladen. Hedi verlässt das Nest und lernt langsam fliegen. Nach fast einem Jahr Elternzeit beginnt damit für uns alle ein neuer Lebensabschnitt und dieser Fakt fühlt sich ziemlich seltsam an.

Ich begegne dieser Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits bin ich froh über den nächsten Schritt, den Hedi nun geht. Andererseits mache ich mir Sorgen und zerbreche mir den Kopf mit vielen Fragen. Wird sie die Trennung ohne großen Schmerz überstehen und sich gut in der neuen Umgebung einleben? Wird sie mich vermissen, wenn sie plötzlich merkt, dass ich doch nicht gleich nebenan bin? Wer bringt sie für ihre Schläfchen ins Bett und streichelt ihr nochmal liebevoll über das Köpfchen? Und was macht Papa eigentlich den halben Tag ohne sein kleines Baby? Arbeiten? Ach ja, da war ja was!

Nun haben wir fast die ersten zwei Wochen hinter uns gebracht und was soll ich euch sagen? Hedi macht sich großartig! Die ersten Tage blieb ich gemeinsam mit ihr nur eine Stunde im Kinderladen. So konnte sie ganz behutsam die neuen Eindrücke aufsaugen und sich mit den anderen Kindern vertraut machen. Jedes Kind reagiert unterschiedlich auf so eine neue Lebensumstellung. Hedi war von Anfang an total begeistert und sehr interessiert - an allem. Die neuen Spielsachen und die anderen Kinder waren spannender als mit Papa abzuhängen, daher fand sie sehr schnell einen Zugang im Kinderladen. Die wirklich tollen Erzieher hat sie auch sofort in ihr Herz geschlossen, lies sich bereitwillig von ihnen durch die Räume tragen und sogar füttern.

Nachdem die erste Woche geschafft war, ging es über zum zweiten Teil der Eingewöhnung: Wir fingen mit dem Verabschieden an. Kurz und schmerzlos wurde ich von Hedi und der Erzieherin mit einem schnellen „Winke, winke“ aus der Tür geschubst. Ohne Trennungsschmerz oder Tränen von Hedi blieb ich dann erst mal für ein bis zwei Stunden weg. Ich suchte mir ein nettes Café in der Umgebung, um die Wartezeit herumzukriegen. Als ich wiederkam, hing Hedi vergnügt auf dem Arm der Erzieherin und sah aus als würde sie sagen wollen: Alles gut Papa, mach dir keinen Kopf!

Nach zwei Wochen ist meine Kleine also super in ihrem Kinderladen angekommen. In Bezug auf dieses komische Wort „Eingewöhnung“ stellt sich mir also nun folgende Frage: Wer musste hier eigentlich eingewöhnt werden? Am Ende hatte ich als Papa wohl mehr mit diesem Schritt der Veränderung zu kämpfen als meine Tochter. Aber nun bin ich sehr froh darüber, das die kleine Maus sich im Kinderladen so wohl fühlt. Der nächste Schritt in der dritten Woche wird sein, dass sie im Kinderladen ihr Schläfchen macht. Ich hoffe, dass auch das so gut klappt wie bisher.

Für alle Eltern, denen eine Eingewöhnung ihres Kindes bevorsteht, habe ich einmal ein paar (vielleicht) hilfreiche Tipps zusammengestellt.

Beim Verabschieden verhält es sich wie mit euren Tweets auf Twitter: In der Kürze liegt die Würze! Nicht zu lange rumeiern, sondern schnell und liebevoll "Adieu" sagen. Das macht es euren Kleinen leichter, in die neue Umgebung einzutauchen.

Stellt euch mit den Erziehern gut! Sie sind nun Teil eurer Familie und verbringen die nächsten Jahre fast so viel Zeit wie ihr mit eurem Kind. Vertraut euch ihnen mit euren Sorgen und Ängsten an, denn sie sind ab sofort eure Augen und Ohren im Kinderladen.

Der Sesamstrassen-Slogan ist auch im Kinderladen zutreffend: "Der, die, das, wer, wie, was,
wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm!" Habt ihr gewisse Abläufe nicht richtig verstanden, dann fragt nach. Nichts ist schlimmer als aus falscher Scham nicht Bescheid zu wissen. Lieber dreimal mehr nachfragen als nach ein paar Wochen immer noch im Dunkeln zu tappen.

Denkt daran, ausreichend Wechselwäsche im Kinderladen zu haben. Auch wenn wir Eltern uns ab und an eine unsichtbare Schutzblase um unsere Kinder wünschen, die sie vor allem vor Schmutz und Dreck bewahren. Der Alltag im Kinderladen sieht anders aus. Unsere Kinder hantieren dort mit allem möglichen rum, daher lasst bitte immer ausreichend frische Klamotten zum Umziehen da.

Haltet euch an Absprachen mit den Erziehern. Wenn ihr eine bestimmte Zeit zum Abholen ausgemacht habt, dann haltet diese unbedingt ein. Am Ende ist nur euer Kind der oder die Leidtragende und muss das Zuspätkommen ausbaden. Daher bleibt euer Telefon auf laut und ihr die ersten Tage in der unmittelbaren Reichweite des Kinderladens. Falls eure Kleinen doch nicht so recht in die neue Umgebung einfinden, müsst ihr sofort zur Stelle sein.

Checkt täglich das Schwarze Brett: Jeder Kinderladen hat eine Mitteilungstafel, wo ihr über die News und Updates auf dem Laufenden gehalten werdet. Checkt sie morgens beim Bringen und nachmittags beim Abholen, damit ihr nicht aus dem Musstopf kommt und von nichts eine Ahnung habt.

Egal wie lange eine Eingewöhnung dauert, macht euch keine Stress. Euer Kind gibt dabei das Tempo vor. Und wenn ihr wisst, dass ihr zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder arbeiten müsst, dann startet die Eingewöhnung im Kinderladen lieber sechs Wochen vorher, damit ihr keinen zeitlichen Druck habt.