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Die Frage aller Fragen // Ist es wieder ein Schreibaby?

TinyMareenComment

Nicht nur für uns waren die letzten Wochen bzw. Monate spannend. Jedem, der unsere Geschichte mit Hedi kennt, brannte beim ersten Kennenlernen von Jano die eine Frage auf den Lippen: "Und wie ist er so?" Es kam mir oft so vor als schwinge etwas Angst mit dabei. Ich konnte die Gedanken des Gegenübers förmlich lesen: Ist er etwa auch ein Schreibaby? Trifft sie das "Schicksal" gleich zwei Mal?

Die Anspannung, die dabei im Raum zu spüren war, löste ich meistens gleich ziemlich schnell und forsch auf. "Nein, Jano ist kein Schreibaby, wenn du das meinst. Alles gut!" Puuuhh, ein Lächeln auf den Lippen des Fragenden machte sich breit. Die ersten zwei Monate war unser kleiner Sohnemann für unsere Babyansprüche kaum wahrnehmbar. Er schlief unfassbar viel und öffnete die Augen nur zum Trinken oder um mal kurz wahrzunehmen, ob wir noch da waren. Natürlich waren wir es, denn er fühlte sich ausschließlich bei uns im Arm oder in der Trage wohl.

Heute im vierten Monat würde ich ihn als die softere Version von Hedi bezeichnen. Er ist ein friedliches Kerlchen, lacht und entdeckt die Welt für sich. Aber Einschlafen, das mag er aktuell - wie seine große Schwester - auch einfach nicht. Während sie vor Müdigkeit gern stundenlang Konzerte gab, dauern seine Arien zum Glück nur wenige Minuten, manchmal aber auch etwas länger. Für uns ist diese Zeit immer noch die reinste Folter.

Palim Palim 🐧

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Ich (und auch Simon) kann einfach nach dieser intensiven Ersterfahrung kein Babygeschrei mehr hören. Selbst wenn die Kinder unserer Freunde mal weinen, zucke ich zusammen und würde am liebsten das Zimmer verlassen. Es gibt sicher Menschen, für die das jetzt vollkommen übertrieben wirkt, aber als Eltern eines ehemaligen Schreibabys hat man einfach ein kleines (oder auch großes) Trauma.

Es ist so als wäre man irgendwann mal in einer dunklen Seitengasse ausgeraubt worden und traut sich seitdem Nachts nicht mehr auf die Straße. Auch nach Jahren nicht. Wahrscheinlich werden wir immer zusammenschrecken, wenn irgendwo ein Babys schreit. Es bleibt ein Teil unserer Geschichte und gehört dazu. Dennoch bin ich froh, dass wir uns nach all dem bewusst für ein zweites Kind entschieden haben. Denn Jano schenkte vor allem mir im Wochenbett diese ganz wundervollen Momente, die man sonst nur aus den Filmen kennt.

Gemeinsam kuscheln, stillen und dann einfach friedlich die Augen schließen und stundenlang ratzen. Für alle Mamis mit "sunny Babys" vollkommen normal. Für mich bedeutete es einfach die Welt. Manchmal hatte ich dabei tatsächlich ein Tränchen im Auge und konnte mein Glück kaum fassen. Vor lauter Freude lag ich meistens wach neben ihm und beobachtet das schlafende Paket Liebe, obwohl ich es ihm eigentlich gleich tun sollte. Aber es ging nicht. Die Euphorie war zu groß. Noch heute schreiben Simon und ich uns via WhatsApp, wenn Jano ohne zu Murren eingeschlafen ist. Verrückt, oder? Das wird hier gefeiert wie Silvester!

"Er schläft. Ohne Weinen!"

Leider sind diese Momente in den letzten Wochen etwas seltener geworden. Aber wir können damit leben. Ja, wir müssen sogar damit leben. Denn eigentlich ist es ja auch normal, dass Babys nicht alle einfach so einschlafen. Sie sind müde, vollen aber nichts verpassen und kriegen die Augen einfach nicht zu. Wir Eltern sind da, um zu helfen.

Ich kann nicht leugnen, dass ich oft neidisch bin auf Eltern, die ihr Baby einfach nur ins Bett legen und es dann schläft. Oder wenn die Babys auf dem Schoß einfach so mitten im Gespräch einschlummern. Gibt es das wirklich? Ich konnte es ja nicht glauben, aber letztens passierte das genauso als ich mit meiner besten Freundin telefonierte. Ich fragte sie: "Ist das dein ernst, dass die Kleine jetzt einfach so schläft? Pah!" Das kratzt natürlich am Elternego und man stellt sich die Frage: Warum kann mein Kind das nicht? Was mache ich falsch? Verwöhnen wir unser Baby mit dem ständigen Tragen?

Was mir hilft, ist damit offen um zugehen. Ich fresse den Frust nicht in mich rein. Ich rede darüber, auch wenn ich mich lange nicht getraut habe. Meine Hebamme steht mir bei diesem Thema immer noch mit Rat und Tat zur Seite. Sie besänftigt mich dann und sagt: Ihr macht alles richtig. Kein Baby gleicht dem anderen. Bloß nicht immer so oft nach links und rechts schauen. Ja, und recht hat sie.

Hedi hat uns das erste Jahr fast um den Verstand gebracht, dafür konnte sie aber schnell laufen und perfekt sprechen. Wärend Mamas mit super lieben Babys sich sorgten, wenn das Kleine mit 18 Monaten immer noch kein Schritt tat. JEDES BABY IST ANDERS! Aber letztlich ist man eben auch nur ein Mensch und sucht die Fehler gern bei sich. Und leider macht man das auch noch beim zweiten Kind. Wahrscheinlich auch beim dritten, vierten und fünften.

Was man aber beim zweiten Nachwuchs viel besser vor Augen hat, ist der Fakt, dass all das auch ganz bald aufhört. Ich sage immer zu Freunden mit kleinen anstrengenden Babys: Ab dem 8. oder 9. Monat wird es so richtig schön. Da ist die erste anstrengende Etappe geschafft. Heißt nicht, dass es ab da easy peasy wird, aber mit jedem neuen Learning der kleinen Würmer klappt die Verständigung besser und der Alltag wird spaßiger. Wir haben die Hälfte dieses Weges nun schon geschafft. Den Rest kriegen wir also auch noch hin. Think positiv!