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Magic Power // Eine Liebeserklärung an alle Superheldeneltern

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Bild: Getty Images

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Seit dem 21. Oktober 2014 steht unser Leben auf dem Kopf. Ja, und zwar so richtig auf dem Kopf. Ziemlich genau 341 Tage hängen wir nun schon wie Fledermäuse von der Decke. Vernünftig denken, essen, schlafen oder miteinander reden? Fehlanzeige! Denn seit fast einem Jahr lebt dieses kleine für das ganze Chaos verantwortliche Wesen unter uns. Das kleine und so mächtige Wunder namens Hedi Emma Rose.

Während meine Schwangerschaft laut Hebamme wie im Bilderbuch verlief, was ich absolut nicht so empfand, wurde das Ende dann irgendwie umso dramatischer. Hedi hatte es nämlich überhaupt nicht eilig und so ließ sie mich bzw. uns bis zur 42. Schwangerschaftswoche (das ist dann Stadium Elefantenschwangerschaft) warten. Geduld? Einfach nicht meine Stärke!

An einem Dienstag um 22:18 Uhr hatte unsere Tochter dann aber schließlich auch keine Lust mehr auf die Enge in meinem Bauch und entschied sich, ihre Eltern kennenzulernen. Ich werde diesen Moment niemals in meinem Leben vergessen als uns dieses kleine Mädchen mit ihren schwarzen Haaren und den süßen Mandelaugen - so klein und hilflos - anschaute. Es war der wohl unrealistischste Moment meines Lebens und auch rückblickend betrachtet, war ich wahrscheinlich mehr körperlich anwesend als tatsächlich geistig da.

In dieser Nacht wurde aber nicht nur ein Baby geboren, sondern auch zwei neue Menschen - eine von Hormonen gesteuerte Mama und ein zutiefst gerührter Papa. Zwei Menschen, die vorher richtig gut in lange Ausschlafen, ausgiebig Shoppen, Urlaub machen und das Leben genießen waren. Hätten wir in dieser Nacht gewusst, was die nächsten Monate auf uns zukommt, wir wären wahrscheinlich getürmt.

Aber all den vielen Aufgaben und der unfassbaren Verantwortung, denen wir uns in den vergangenen unendlich lang wirkenden Wochen gestellt haben, ließen uns im Laufe der Zeit zu richtigen Supereltern mutieren. Ich schreibe das jetzt genauso, denn früher habe ich "diese Eltern" und mit ihren Macken und ihrer ganzen Art und Weise öfters belächelt. Ich Unwissende habe junge Eltern immer als fürchterlich unentspannt (Hat Ferdinand vielleicht schon wieder Hunger?), gestresst (Lotte muss sofort ins Bett!) und spießig (Wir können nicht kommen, dem Äffchen geht es nicht so gut.) empfunden. Heute weiß ich, sie alle sind verdammte Superhelden.

Superhelden und Superheldinnen des Alltages, die noch vor dem frühen Vogel aufstehen und erst wieder ins Bett gehen, wenn auf RTL 2 das Kaminfeuer schon längst wieder erloschen ist. Helden, die blind Windeln wechseln, verschiedene Windelcremes am Geschmack erkennen, nebenbei Brei kochen, Wäsche waschen, mit der Oma telefonieren und die Katze füttern. Meister im stundenlangen Bauklötzer stapeln, Tiergeräusche mimen und auf allen Knien kriechen.

Diese Spezie ist oft in Krabbelgruppen oder Eltern-Cafés anzutreffen, denn dort sind sie keine Exoten, sondern unter sich und bündeln ihre Energie zur Superpower. Ab und an verlieren sie durch ihre plötzliche Verwandlung wichtige Freunde, die keine Ahnung davon haben, wie toll Superkräfte sein können. Aber sie gewinnen auch Neue dazu, die von ihnen lernen wollen oder ebenfalls magische Fähigkeiten besitzen.

Ja, und auch Helden heulen sich manchmal heimlich die Augen aus dem Kopf, weil sie einfach am Ende sind und ihnen alles über den Kopf wächst. Ihren Akku tanken sie aber schnell wieder auf, wenn das Gegenüber sie mit strahlenden Augen anlächelt. Dann können diese Superheldeneltern wieder stundenlang nachts kleine 4 bis 10 Kilo Bündel in den Schlaf tragen, obwohl im Fernsehen gerade die Lieblingsserie läuft.

Aber ein Superheld wird man eben nicht aus Lust und Laune, sondern weil man dazu auserkoren wurde. Und wer einmal weiß, wie er seine magischen Kräfte einzusetzen pflegt, der will sie nie wieder eintauschen gegen das triste Leben eines ganz normalen Menschen. Wie langweilig!