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Entspannte Kugelzeit // Schwangerenvorsorge durch Hebammen

Mommy, Kolumne, LifestyleMareen3 Comments

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, der alles veränderte. Der Tag, an dem wir erfuhren, dass ich schwanger bin und wir Eltern werden. Es war der 30. Januar 2014, morgens halb neun in unserem Wohnzimmer. Eine Lawine des Glücks überrollte mich und ich konnte für den Rest des Tages und auch viele Tage später keinen einzigen klaren Gedanken fassen. Nachdem ich das Geschehene gedanklich etwas einordnen konnte, macht ich mich ziemlich schnell auf die Suche nach einer Hebamme. Ich kassierte ein paar Absagen, weil einige zeitlich nicht verfügbar oder selbst schwanger waren.

Aber schliesslich fand ich meine absolute Wunschhebamme. Eine junge, aber dennoch erfahrene Frau, die selbst zwei Kinder hat. Ich erklärte ihr, dass ich in der siebten Woche schwanger bin und sie ab sofort gern an meiner Seite wüsste. Was in Deutschland nämlich leider nicht so bekannt ist: Auch Hebammen können die komplette Vorsorge übernehmen. Die einzige Ausnahme bilden die drei Ultraschallschalluntersuchungen am Anfang, in der Mitte und am Ende der Schwangerschaft. Zu diesen Terminen muss man als Schwangere in eine Frauenarztpraxis gehen.

Für mich war ihre Zusage eine totale Erleichterung und ein wichtiger Schritt ohne Angst in die Schwangerschaft zu gehen. Ich habe es nämlich nicht so mit Ärzten und ziemlich großen Bammel vor diesen Gestalten im weißen Kitteln. Der persönliche Kontakt mit meiner Hebamme bei uns Zuhause half mir enorm mit all den Ängsten umzugehen, die einen als werdende Mama so begleiten.

Die Besuche meiner Hebamme waren stets Termine auf die ich mich sogar freute. Sie nahm sich immer eine ganze Stunde Zeit für das Baby und mich. Frage nach meinem Befinden, checke Gewicht, Herztöne, die Lage des Kindes und den Zustand der Gebärmutter. Wenn es erforderlich war, nahm sie Blut ab und untersuchte den Urin. Eigentlich alles wie beim Arzt nur in angenehmer Atmosphäre in unseren vier Wänden und bei einem gemütlichen Plausch.

Ob Kassen- oder Privatpatienten: Die Krankenkasse zahlt diese Untersuchungen genauso wie die Vorsorgetermine beim Arzt. Was sich bequem und luxuriös anhört, ist aber in der Realität sogar günstiger für die Kassen. Eine Hebamme hat nämlich längst nicht einen so hohen einen Stundensatz wie ein Arzt. Mein Frauenarzt, ein Mann der guten alten Schulmedizin, fand meine Art der Vorsorge ok, aber dennoch war es ihm ein Dorn im Auge. Er hat es mir nie offensichtlich zu verstehen gegeben, aber ich habe es dennoch gespürt. Davon habe ich mich erhrlich gesagt nicht abschrecken lassen, denn meine Hebamme hatte mich vorgewarnt, dass das passieren könne. Ihr Berufsstand ist nämlich nicht bei allen Ärzten anerkannt.

In meinem engeren Umfeld bin ich bis heute eine der wenigen, die sich für eine Vollvorsorge mit Hebamme entschieden hat. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass tatsächlich die wenigsten von dieser Möglichkeit wissen. Und Frauenärzte werden ihre Patientinnen über diese Möglichkeit nur in wenigen Fällen aufklären.

Ich wurde oft gefragt, ob ich denn keine Angst hätte oder Sorgen um das Baby? Auf solche Fragen kann ich definitiv mit einem klaren Nein antworten. Anstatt mich durch technische Geräte verunsichern zu lassen, habe ich mich durch meine Hebamme unheimlich wohl und rundum gut betreut gefühlt. Ich konnte mich bei den Untersuchungen und Gesprächen Zuhause entspannen und mich nicht schon im Wartezimmer vorher verrückt machen, ob alles OK ist. So ticke ich nämlich. Auch das Gefühl, dass sie mich von Anfang an bis über das Wochenbett hinaus begleiten würde, war ein Gutes. 

Was mich meine Hebamme vor allem gelehrt hat, ist auf mein eigenes Körpergefühl zu hören. Und das ist bei einer Schwangerschaft enorm wichtig. Sie hat mir geholfen das Vertrauen in mich und meinen Körper zu stärken und das hat mir von Anfang und auch während der natürlichen Geburt sehr geholfen. Sie hat mich vor allem mental aufgebaut und mir ein Gefühl von Sicherheit vermittelt, welches mir mein Frauenarzt in einem 5-minütigem Gespräch zwischen Untersuchungsstuhl und Tür nicht hätte geben können.

Mir gefällt besonders gut der Hebammenansatz, dass eine Schwangerschaft in erster Linie ein gesunder Prozess ist. Für sie sind alle Frau in der Lage auf gesundem Weg ein Kind zur Welt zur bringen und das ohne medizinische Hilfe, wenn die Schwangerschaft optimal verläuft. Denn schwanger zu sein, bedeutet nicht, dass man krank ist. Aber auch hier kann ich nur sagen: Jede schwangere Frau muss entscheiden mit welcher Art der Vorsorge sie sich am wohlsten fühlt. Geht es der Frau gut, dann geht es auch dem Baby gut

Für mich gehörte auch dazu, sich selbst mit der Schwangerschaft und Geburt auseinanderzusetzen und nicht ständig Dritte meinen Körper kontrollieren zu lassen. Dabei empfand ich das Buch "Die Hebammensprechstunde" von Ingeborg Stadelmann als super hilfreich. Die freiberufliche Hebamme und Mutter von drei Kindern gibt darin wertvolle Tipps von Beginn an der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zur Stillzeit. Ihre Ratschläge aus der Pflanzenheilkunde und der Homöopathie haben mir bei kleineren Wehwehchen sehr geholfen, da ich keinerlei Medikamente während der Schwangerschaft oder danach in der Stillzeit einnehmen wollte.

Das Buch und vor allem die begleitenden Treffen mit meiner Hebamme waren für mich der optimale Weg. Hebammen sind Expertinnen auf dem Gebiet der Schwangerschaft und Geburt. Dafür sind sie ausgebildet und ich würde mich jetzt sogar dazu hinreißenlassen zu sagen, dass sie es oft besser sind als so mancher Frauenarzt. Wusstet ihr, dass ein Arzt in Deutschland ein Kind nicht ohne die Anwesenheit einer Hebamme entbinden darf? Andersrum aber schon!

Kennt Ihr das Buch „Die Hebammensprechstunde“? Für welche Form der Vorsorge habt ihr euch entschieden? Nun bin ich gespannt auf eure Kommentare.