ohwego

Persönliches Lifestyle Blogazine für Eltern & Nicht-Eltern

Hilfe, mir ist schlecht! // Die Sache mit der fiesen Schwangerschaftsübelkeit

Mommy, TinyMareen2 Comments

Das hat Mutter Natur doch geschickt eingefädelt: Das erste Kind ist aus dem Gröbsten raus, geht jeden Tag in den Kinderladen, das Berufsleben hat einen voll und ganz zurück, die alte Figure ist fast wieder erreicht und ab und zu ist abends auch schon mal wieder ein Kinobesuch oder ein Essen mit Freunden drinn.

Irgendwie alles beim Alten. Also fast wie früher - eben nur mit Anhang. Rückblickend betrachtet: Klar, der Weg war bis hierher nicht der einfachste. Aber wenn er einfach wäre, dann hätten wir uns wohl ziemlich gelangweilt. Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht noch ein zweites Mal hinbekommen würden. Gesagt getan!

Träumerisch und voller Hoffnung wie ich bin, dachte ich mir beim Anblick des positiven Schwangerschaftstests: Diesmal wird sicher alles ganz anders. Dein Körper kennt das jetzt - also das Ding mit dem Schwangersein und so. Und die olle Übelkeit macht diesmal einen ganz großen Bogen um dich. Nochmal 22 Kilo zunehmen? Bestimmt nicht! Bei der zweiten Schwangerschaft werde ich mich definitiv zusammenreißen. Keine Fressatacken mehr!

Ihr könnt es euch denken, oder? Sie kam genau in der 6. Woche und rieß ein tiefes Loch in mein unerschütterlichen Optimismus. Schon bei Hedi ging es ziemlich früh in genau dieser Woche los und bis zur 15. Woche hatte ich Tag und Nacht mit elendiger Übelkeit zu kämpfen. Eine Sache, die man nicht mal seinem ärgsten Feind wünschen möchte. Denn es gibt nichts, wirklich gar nichts was dagegend hilft - ausser durchhalten.

Natürlich habe ich in der ersten Schwangerschaft schon eltiches ausprobiert: Ingwertee, Akupunkturarmbänder, Nausema, Homöopathie und Co. Gebracht es es wirklich wenig. Deshalb kann ich leider keinerlei Tipps geben, sondern nur ein wenig jammern. Das einzige was wirklich hilft ist essen, essen, essen. Klingt komisch, aber während der Nahrungsaufnahme geht es mir jedenfalls immer gut. Und so ist es kein Wunder, dass ich schon in der 12. Woche zwei Kilo mehr als gewohnt auf den Hüften habe.

Wenn es um die Auswahl der Dinge geht, die in meinen Magen landen, werde ich plötzlich super wählerisch. Worauf ich vor zehn Minuten noch Lust hatte, kann mich kurze Zeit später zum Würgen bringen. Als Simon eines morgens mein Croissant beim Bäcker vergas, sahs ich heulend am Frühstückstisch. Ja, wegen sowas kann auch mal eine ganze Welt einstürzen. Um die ganz schlimmen Übelkeitsattaken zu überstehen, habe ich über den ganzen Tag verteilt Äpfel und Knäckebrot gegessen. Trinken konnte ich nur warmen Zitronentee.

Morgens war die Übelkeit gepaart mit einem schlechten Kreislauf immer besonders fies. Die Rettung kam gegen Mittag, denn mit einer deftigen Portion Kartoffeln, Gemüse und Fleisch ging es mir wenigstens kurz schlagartig besser. Doch sobald der Teller leergeputzt war, war sie auch schon wieder da. Also weiter Bonbons lutschen oder Kaugummi kauen, um den Körper vorzugaukeln, dass man ja esse.

Das mich die Schwangerschaftsübelkeit ein zweites Mal so krass eingeholt hat, ist ernüchternt. Denn es geht einem nicht nur megamäßig mies, sondern einem fehlt jegliche Energie und jeder Elan, um am Leben teilzuhaben. Wer mag schon vor die Tür gehen, wenn einem kotzeübel ist? Shoppen, Freunde besuchen, mit dem Kind umhertoben oder sonstige Aktivitäten kosten einfach nur Überwindung, denn eigentlich ist man ja ständig nur mit sich beschäftigt. Selbst alltägliche Ding wie Duschen, Essen kochen oder Wäsche zusammenlegen, habe ich kaum hinbekommen.

Das alles mag für 2 Wochen noch ertäglich sein, aber wenn sich diese Übelkeit über Monate hinzieht, dann geht man tatsächlich an seine physischen und psychischen Grenzen. Zum Glück ist da dieser perfekte Mann an meiner Seite, der all das Gequängel und meine launischen Phasen erträgt. Der abends um 20 Uhr los fährt, um mir (vegetarisches) Sushi zu holen, meine Essenseinkaufslisten jeden morgen Punkt für Punkt abarbeitet, der mir sein Essen gibt, obwohl ich mir fünf Minuten vorher nicht vorstellen konnte, das runterzubekommen, der unser Kind jeden Tag in den Kinderladen fährt und es wieder abholt und der die Wohnung hier auf Vordermann bringt, weil mir doch einfach gottverdammtnochmalunfassbar schlecht ist.

Wir beide wissen, dass auch diese Zeit wieder vorbeigehen wird und die alte übermotivierte Mareen wieder kommt. Und dann weht hier ein anderer Wind. Dann wird wieder angepackt, unternommen und die Welt verändert. Denn eigentlich vergeht kein Tag, an dem ich nicht eine neue Verbesserungsmöglichkeiten oder Weltherschaftsideen habe. Aber vielleicht ist auch gerade das der Grund, warum mich die Übelkeit so getroffen hat. Mein Körper kennt keinen anderen Weg mich zu stoppen, damit ich mir mal eine kleine Pause gönne. Recht hat er ja, aber musst er gleich so hart zu mir sein?

Nachtrag: Mittlerweile bin ich im 4. Monat und die Übelkeit hat zum Glück stark nachgelassen. Ab und zu wird mir noch übel, aber das Schlimmste scheint überstanden. Puuuh!