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Kind und Beruf // Warum Durchatmen der Karriere gut tut

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Ich habe vor Kurzem einen tollen Artikel auf dem Blog familieberlin.de von Bella gelesen, der meine aktuelle Gefühls- und Gedankenwelt perfekt widerspiegelt. Darin schreibt die Bloggerin warum es OK ist, beruflich eine Zeitlang nicht ganz oben mitspielen zu wollen. "Ich persönlich glaube nicht an die Karriereleiter, denn auf einer Leiter hat immer nur ein Mensch Platz. Aber eine Treppe, ähnlich wie diese großen Stufen vor Museen und öffentlichen Plätzen auf der sich viele Menschen tummeln, hat noch viel Potential", schrieb Bella und sie hat recht.

Bevor ich Mutter wurde, gab es für mich eben nur diese eine Karriereleiter auf der ich ganz oben stehen musste. Vieles drehte sich in meinem Leben um mein berufliches Vorankommen. Ich war ständig auf der Jagd nach neuen Projekten. Und natürlich auch stets bemüht, bestehende Kunden möglichst überzufrieden zustellen, denn die Konkurrenz in meiner Branche ist groß und Auftraggeber experimentierfreudig im Umgang mit Dienstleistern.

Es gab Monate, in denen lief alles super und irgendwie rannten einem die Kunden die Bude nur so ein. Sure Shot - ohne viel dafür tun zu müssen. Dann gab es aber auch Zeiten, in denen war jeder Tag mühselig und es fühlte sich an als ob man auf der Stelle trat. Das zerrte an mir und ich verschwandt viel Energie zu schauen, was macht der oder die und warum läuft es bei mir nicht. Über solche Phasen, die sich oft ziehen wie Kaugummi, spricht natürlich niemand gern. Denn der Tonus unter Selbstständigen in der PR- und Werbebranche ist oft "Hier ein Projekt, da ein Meeting. Too much to do. Keine Zeit für Nichts. Very bussy."

Na klar, Happy Sunshine vor den Kunden und Kollegen. Natürlich sind das immer nur Phasen und nach über fünf Jahren Selbstständigkeit weiß ich damit umzugehen und auch, was zu tun ist, wenn die Projektliste mal nicht ganz so voll ist. Sobald diese Durststrecke überwunden ist, erreicht einen dennoch ein unfassbares Glücksgefühl und man ist im Rausch wenn "der Laden läuft". Es fühlt sich eben toll an gebraucht zu werden, jedes Jahr seinen Umsatz zu steigen und immer größere Kunden an Land zu ziehen. Ein Gefühl, das in der Marketingwelt wie eine Droge sein kann. Und plötzlich redet man auch so: "Hier ein Projekt, da ein Meeting. Too much to do. Keine Zeit für Nichts. Very bussy."

Was hat das alles mit mir und dem Muttersein zu tun? Nun ja, ist man erst einmal Mama ändert sich die Sicht auf das Leben enorm. Ich möchte meinen Berufszweig und berufliche Laufbahn absolut nicht in Frage stellen. Ich liebe meinen Job, meine Selbstständigkeit und die manchmal scheinheilige Welt der Werbetreibenden und PRler, aber ich möchte mich nicht mehr stressen. Ich möchte auch einmal "Nein" zu Projekten sagen oder es genießen können, wenn vielleicht mal nicht zehn Projekte gleichzeitig anstehen.

Ich möchte diese Angst vor dem "Scheitern" abschütteln und die Energie, die solche Gedanken fressen, in etwas investieren, was mir wichtiger ist als alles andere auf der Welt: In meine Tochter! Ich möchte mir keine Sorgen machen, weil ich den Umsatz des letzten Jahres nicht toppen konnte oder ein großer Kunde zu einer anderen Agentur gewechselt ist. Ich weiß ja, dass es immer weitergeht. Dann eben mit kleinen Projekten. Hauptsache weiter!

Energie für das berufliche Vorankommen aufzubringen, bedeutet 150 Prozent und mehr zu geben. Aber wo bleibt dabei die Kraft für alles andere? Für die Familie, Freunde, das Privatleben, für einen selbst? Irgendwo muss man Abstriche machen und wer behauptet, dass das nicht stimmt, der lügt oder hat Superkräfte. Ich habe die letzten 10 Jahre in meine Karriere investiert. Ich habe studiert, nebenbei gearbeitet und bin dafür um die Welt gereist, war festangestellt, habe nebenbei Weiterbildungen absolviert, habe mich selbstständig gemacht und erneut Fortbildungen besucht, habe Mitarbeiter eingestellt und entlassen, neue Projekte an Land gezogen und verloren und dabei öfters mehr als 50 Stunden die Woche gearbeitet.

Dafür habe ich auf Partys verzichtet, Freundschaften nicht gepflegt, mich selbst vernachlässigt und oft meine Familie nicht gesehen, wenn ich den Wunsch danach hatte. Ich habe das alles in Kauf genommen, denn ich liebe es mein eigener Chef zu sein und die Freiheiten, die das mit sich bringt. Heute bin ich Mama und stehe vor der wichtigsten Aufgabe meines Lebens. Und deswegen gönne ich mir eine Pause auf dem Karriereweg "nach oben". Eine Pause, die für mein Umfeld keine Pause sein wird, denn natürlich werde ich jeden Tag arbeiten. Der Unterschied wird nur sein, dass ich mir selbst diesen Erfolgsdruck nicht mehr auferlegen möchte.

Das bedeutet auch, keine E-Mails mehr zu checken während man Abendbrot isst. Oder noch Nachts wenn das Kind schläft ins Büro zu schleichen, um an Projekten weiterzuarbeiten. Auch bedeutet das, keine Meetings mehr nach 18 Uhr anzunehmen oder auf Abruf ständig verfügbar zu sein. Für mich dreht sich 2016 in erster Linie um uns als Familie und das bedeutet auch, dass sich auf der anderen Seite Prioritäten verschieben. An erster Stelle stehen nun WIR und an zweiter Stelle der Job.