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Mom of 2 // Zehn Dinge, die beim zweiten Baby anders laufen

Kolumne, TinyMareenComment

Beim zweiten Kind ist alles einfacher. Dieser Satz klingt mir ständig in den Ohren und ich muss sagen: Nein, es ist nicht alles einfacher. Vor allem die Betonung auf ALLES nervt mich. Denn ein Baby ist ein Baby. Das Zweitgeborene kommt weder sprechend noch laufend auf die Welt. Noch kann es sich schon selbstständig ernähren oder weint niemals.

Es muss genauso heranreifen wie sein Geschwisterchen davor. Dennoch sind mir in den letzten Wochen einige Punkte aufgefallen, die ich als Mama oder wir als Eltern heute vielleicht anders oder sogar besser handhaben. Vielmehr ist es mein Umgang bzw. unsere Verhaltensweise dem Thema "Baby" gegenüber.

Während ich bei Hedi gefühlt fast jeden Tag bei Google tausend Fragen eingab, weil ich einfach unsicher war, mache ich das bei Jano nur noch in den seltensten Fällen. Aber warum ist man nur so verdammt unsicher als Neumama? Klar, man will halt alles unbedingt richtig machen und mit einem ordentlichen Paket "Stillhormonen" nagten an mir damals (und auch oft heute noch) ständig Selbstzweifel.

Man bekommt eben nicht nur über Nacht ein Baby, sondern wir auch als Mama geboren. Eine Rolle, die man vorher so noch nie übernommen hat. Heute kann ich sagen: Nach über zwei (harten) Jahren Mama-Business habe ich mich zum Glück verändert und das ist gut so. Vor allem für meinen Adrenalinspiegel, mein Portemonnaie und auch für meine Kinder.

1. Keine übertriebene Klamottensucht

Jano besitzt mit Sicherheit nur ein Drittel an Klamotten wie Hedi damals. Während ihr Kleiderschrank ständig bis oben hin prall gefüllt war, hat er lediglich einen kleinen Hängeschrank für seine Kleidung. Mehr Platz braucht er auch nicht, denn er besitzt vielleicht immer nur sechs Bodys, ein paar Hosen und Stickjacken, die gerade passen. Aktuell ist er schon wieder so viel gewachsen, dass ich jetzt alles in Größe 80 (!) bestellt habe und einfach umkremple. Das passt nun mit Sicherheit ein paar Monate. Hätte mir das jemand bei Hedi vorgeschlagen, ich hätte ihm einen Vogel gezeigt.

2. Nicht immer sofort rennen

Für meine Hebamme bin ich zwar immer noch eine Übermutter, aber ich bilde mir ein, ich habe mich gebessert. Was ich meine? Während ich, aber auch Simon, bei unserer Tochter bei jedem Mucks sofort gesprungen sind, muss Jano dann doch mal etwas länger (wir reden von Sekunden) warten. Da er das aber in den letzten Monaten gut trainiert hat, brüllt er aber nicht sofort los, wenn er ein Bedürfnis hat. Er übt sich in Geduld und vielleicht ist das gar nicht verkehrt. Meine Regel: Immer erstmal bis Drei zählen.

3. Die Sorge der altersgerechten Entwicklung

Kann er schon dies? Kann er schon das? Oh mein Gott, Eltern sollten sich in dieser Sache viel mehr entspannen. Wir waren auch bei Hedi ziemlich releaxed, wenn es um ihre motorische Entwicklung ging. Sie krabbelte erst rech spät (10 Monate) und fing dann aber gleich mit dem Laufen kurz nach dem 1. Geburtstag an. Hups! So kann es gehen. Jano ist nun 18 Wochen alt und kann seit einer Woche eine Bauchrolle machen. Aber auch nur wenn er Lust drauf hat. Wir halten es hier nach dem Motto: Spätestens mit 18 Jahren können sie eh alle laufen, essen und trinken.

4. Keine Spielzeugflut für Babys

Es gab so einen sechsten Sinn als ich damals Hedis Babyspielzeug in eine Kiste räumte, weil ich mich nicht trennen konnte. Vielleicht ja doch noch ein Zweites, dachte ich still und heimlich. Und es war richtig. Wir haben nun für Jano eine kleine, feine Schachtel mit O-Ball, Rassel und Co. Aber mal ehrlich: Spielen tun Babys damit doch ziemlich selten. Nicht mal ein Mobile mit Musik oder Spielbogen kann ihn aus der Reserve locken. Zwei Minuten lässt er das über sich ergehen und dann geht das Gequengle los. Auch Hedi hatte nie wirklich einen Sinn dafür. Als sie dann tatsächlich spielen wollte, schnappte sie sich Topf und Kochlöffel.

5. Breikost hat Zeit

Warum gibt es Mütter, die ihren Babys mit 4. Monaten Breikost geben? Weil Herr Hipp das so auf seine Gläschen schreibt? Zugegeben, ich war bei Hedi auch mega hibbelig und konnte es kaum Erwarten ihren ersten Brei zu kochen. Ich habe Bücher gewälzt, gekocht und eingefroren was das Zeug hält. Am Ende hat sie es eigentlich gar nicht gegessen. Auch keine gekauften Gläser. Und so habe ich (ein wenig enttäuscht) weitergestillt bis sie dann gleich zum Fingerfood übergegangen ist. Learning: Ich werde mir bei Jano dafür echt Zeit lassen. Im ersten Jahr brauchen die Babys eigentlich eh nur Muttermilch und das bisschen Brei ist bestenfalls Beiwerk. Nicht zu vergessen, dass die Pampe auch gut ins Geld geht.

6. Stillen, stillen und stillen

Da unser kleiner Prinz mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit das letzte Baby in diesem Hause ist, möchte ich ihn so lange wie möglich stillen. Bei seiner Schwester hatte ich um den 8./9. Monat so einen Drall, dass ich unbedingt mal wieder etwas trinken (böser Alkohol) möchte. "Freiheit, Freiheit" rief ein kleiner Teufel auf meiner Schulter. Ich malte mir Sachen wie ein sattes Kind, das mit Flasche im Arm durchschläft, aus. Pustekuchen!  Einmal abgestillt, verlangte Madame dann nachts ständig ein warmes Fläschchen. Das ging also nach hinten los und am Ende waren wir noch müder als vorher. Nicht zu vergessen, die verbranten Hände, wenn man nachts im Halbdunklen versucht heißes Wasser in eine Flasche zu füllen. Billig ist die Pulvernahrung auch nicht gerade und sind wir mal ehrlich: Was gibt es besseres als Muttermilch?

7. Mehr Momente für uns als Paar

Da mussten wir erst tatsächlich zwei Kinder bekommen, um abends mehr Zeit füreinander zu haben als mit "nur" einem. Das klingt komisch und manchmal fasse ich mir selbst an den Kopf. Seit Jano zwei Monate alt ist, bringe ich ihn um 18/19 Uhr ins Bett. Davor war er bei uns auf der Couch, was ihm aber immer weniger gefallen hat. Er war quengelig und müde und wollte ins Familienbett - sagte mir mein Bauchgefühl. Gedacht, getan. Am Anfang hat es oft zwei Stunden gedauert bis er wirklich tief in den Schlaf fand. Ich habe ihn dabei nie alleine gelassen. Er war auch oft noch munter und dann habe ich mit ihm gekuschelt, ihn gestillt und gesungen. Heute kennt er das Ritual schon und wir brauchen in der Regel 15 bis 60 Minuten bis er fein schläft. Hedi hat die gleiche Routine (in einem anderen Zimmer) und so treffen Simon und ich uns dann abends auf der Couch, um noch zwei Stunden allein miteinandern zu verbringen. Klar, könnten wir auch schlafen gehen, aber diese Zeit ist uns wichtiger als das. Und eins hat sich dadurch enorm minimiert. Fiese kleine Streiterein wegen der Kinder, dem Haushalt ...

8. Babyschwimmen, Babyyoga, Babyzumba

Babykurse gibt es in Berlin wirklich bis zum Abwinken. Damit lässt sich sicherlich gut Geld verdienen. Wie alles, was mit Babys, Hochzeiten oder Beerdigungen zu tun. Harter Vergleich, aber sind wir doch mal ehrlich: Brauchen die Kleinen das wirklich? Werden aus diesen Babys einmal entspanntere, klügere, witzigere oder reichere Erwachsene? Wir haben bei Hedi drauf verzichtet, weil sie mit ihrem lauten Organ mit Sicherheit jeden Kurs zusammengeschrien hätte. Geschadet hat es ihr nicht und wir haben dadurch einige Nerven mehr behalten. Auch mit Jano werden wir uns die oft reizüberfluteten Programme sparen. Wenn er etwas reifer ist, geht es aber natürlich auch mal zum Krabbelkurs.

9. Mein Kind ist wie kein anderes

Ich erwische mich noch heute dabei. "Was? Der kleine Paul sitzt schon. Die süße Elsa schreit nie und der freche Jakob schläft schon durch?" Als der liebe Gott Fähigkeiten und Entspannung bei Babys verteilt hat, muss er meins wohl vergessen haben. Autsch! Klar, bei unseren Gartennachbarn wächst das Unkaut auch nur halb so hoch wie bei uns. Fakt ist: Mein Baby ist wie es ist. Es hat seinen eigenen Charakter mit Stärken und Schwächen. Mamas mit etwas anstrengeren Babys sei gesagt: Die Zeit ist euer Freund. Denn spätestens mit 1 Jahr ist der schwierige Part geschafft. Das weiß man als #Momof2 und das gibt einem mehr Kraft auch harte Zeiten zu überstehen.

10. Figurprobleme? Ich habe zwei Kinder zur Welt gebracht

Tatsächlich habe ich es geschafft in der zweiten Schwangerschaft noch mehr zu zunehmen als in der ersten. Es waren nun irgendwas über 25 Kilo. Herzlichen Glückwünsch!. Obwohl ich mich viel mehr bewegt habe und mehr auf meine Ernährung geachtet habe als bei Hedi, braucht mein Körper scheinbar diese Masse an Gewicht, um eine kerngesunde Schwanger zu sein. Jetzt nach 4 Monaten hängen noch 10 überflüßige Kilos an mir rum und trotzt Vollzeitstillen wollen sie nicht weichen. Stört mich das? JEIN! Ganz ehrlich, ich habe innerhalb von zwei Jahren zwei Kinder auf die Welt gebracht. Ich habe zugenommen und wieder abgenonnen, zugenommen und bin nun wieder dabei ohne Druck Gewicht zu verlieren. Noitz an mich selbst: Entspann dich, Mareen!

Zusammengefasst ist es doch so: Als Zweifach-Mama weiß man eine Menge über Babys und ihr Verhalten. Man kennt sich, seine Zweifel und Sorgen, man versucht Dinge entspannten anzugehen. Einiges gelingt einem auch, anderes eher nicht. Am Ende aber ist man vor allem stolz auf seine Kinder, wie sie sich jeden Tag ein Stück mehr entwickeln und selbstständiger werden. Das ist der Lohn für all die Mühen.