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Selbst ist das Baby // Fingerfood für unsere Beikostverächterin #2

Baby, FoodMareen3 Comments
Foto: BabyBjörn

Foto: BabyBjörn

Nachdem ich euch im ersten Teil über meine Bemühungen berichtet habe, unserem Baby die Beikost schmackhaft zu machen, geht es heute endlich weiter. Die kleine Breiverweigerin wurde also überhaupt nicht warm mit der schmierigen Masse von zusammengerührten Lebensmitteln.

Wenn ich andere Kinder sah, wie sie nach dem ersten 150 Gramm Gläschen immer noch hungrig waren, frustrierte mich das irgendwie. Warum will unser Mädchen diesen verdammten Brei nicht essen? Alles war selbst gekocht, Bio und frisch - war ihr egal. Auch Brei aus dem Glas konnte sie nicht überzeugen. Aber ich hatte mir von Anfang an geschworen, mich niemals in solche oder andere Themen hineinzusteigern. Cool bleiben, Mami!

Schließlich kriegt man ja auch immer wieder und überall von erfahrenen Hebammen und Ärzten gesagt: Jedes Kind ist anders. Und an diesem ausgelutschten Satz ist natürlich viel Wahres dran. Hedi geht ihren ganz eigenen Weg und wenn man als Mutter zu viel nach links und rechts schaut, sich ständig reinquatschen lässt, dann macht einen das verdammt unsicher. Und eine unsichere Mutter verunsichert ihr Kind vielleicht auch nur noch mehr!?

Also galt es für mich: Nerven bewahren und auf mein Bauchgefühl hören. Meine innere Stimme sagte mir, mein Mädchen will selbst entscheiden und alleine futtern. Dass selbständiges Essen und Brei keine gute Kombination ist, das könnt ihr euch denken. Also beschäftigte ich mich mit dem Thema "Fingerfood" oder auch "Baby-led-weaning" (BLW) genannt. Denn seit Hedi 5 Monate alt ist, bekam sie von uns regelmäßig eine Möhre oder ein Stück Apfel, um darauf herumzukauen.

Foto: Melissa Fenlon | aliceandlois.com

Foto: Melissa Fenlon | aliceandlois.com

Nicht weil wir das schön fanden, sondern weil sie seitdem extrem viel Interesse dafür zeigte. Sie liebte es darauf herumzukauen und es tat ihren kommenden Zähnchen gut. Unsere Tochter hat seit jeher einen kleinen Dickschädel: Sie will und muss ständig alles selbst machen, halten oder nehmen. Es passt also auch zu ihrem Charakter, dass sie ihr Essen selbst zerpflücken und in den Mund schieben möchte.

Unsere kleine Macherin bekam also statt Brei schon bald ein Stück gekochte Kartoffel, Blumenkohl, Zucchini, Banane, Gurke, Brot oder Käse zum Knabbern. Meistens bekam sie etwas davon ab, was wir aßen. Am Anfang natürlich erst einmal ohne Gewürze. Wir gaben ihr meistens eine Auswahl von zwei bis drei Lebensmitteln. So konnte sie selbst entscheiden, was sie haben möchte. Und siehe da: Selbst mit später nur zwei kleinen Hasenzähnchen klappte das Kauen ganz gut.

Natürlich hört sich das nun alles super an. Aber ein richtiges Sättigungsgefühl stellt sich am Anfang dadurch nicht ein. Das Meiste, was wir ihr gaben, landete irgendwo auf ihrem Schoß oder auf dem Boden und die Hauptnahrungsquelle blieb immer noch die Milch. Das bedeutete auch in der Nacht hatte Hedi viel öfter Milchhunger also so maches Breibaby. Aber damit konnten wir leben. Neben dem Fingerfood versuchten wir es daher abends immer auch mit einem selbstgemachten Milch-Getreide-Brei. Und mal hatten wir mehr, mal weniger Glück und sie aß etwas davon.

Ein kleiner Trick: Wir gaben ihr dabei immer ein Stück Gurke oder Brot in die Hand und fütterten sie dazu mit Brei. So hatte sie das Gefühl am Essensprozess beteiligt zu sein. Und das ist ihr heute mit 11 Monaten auch noch enorm wichtig. Sie bekommt zum Beispiel zum Mittag von uns eine gekochte Möhre, Kartoffel oder ein Fitzelchen Fleisch in die Hand und wird daneben noch mit dem gleichen Lebensmittel von uns zugefüttert. Aktuell kombinieren wir also Fingerfood mit Beikost. Das funktioniert für uns gerade super und Hedi wird von Tag zu Tag satter. Dadurch reduziert sich endlich auch die Milchmenge, die sie zu sich nimmt.

Ich möchte mit diesem Beitrag gar keine Tipps geben, denn ich kann nur von unserem Weg berichten. Im Nachhinein habe ich selbst das Gefühl, dass wir essenstechnisch durch einen kleinen Irrgarten gerannt sind. Das Wichtigste aber ist, dass wir uns dabei wohl gefühlt haben und unser Mädchen nicht zum Brei essen von uns verdonnert wurde. Sie weinend am Tisch sitzen musste bis sie endlich mal etwas ißt.

Hedi hat Spaß am Essen und kann mit uns oft bis zu einer halben Stunde gemütlich am Tisch sitzen, weil ihr das gemeinsame Ritual viel Freunde bereitet. Sie liebt es neue Lebensmittel zu entdecken. Dabei probiert sie so ziemlich alles und entscheidet dann, ob es den Weg in ihren Magen findet oder einfach wieder ausgesiebt wird. Diese Prozedur ist auf jeden Fall nichts für schwache Nerven und Sauberkeitsfanatiker. Viel Geduld muss man schon mitbringen. Unsere Tochter hat mittlerweile heute ihre ganz eigenen Vorlieben für Süßkartoffeln, Melone oder Gurken. Ja, die Gurken liebt sie wirklich.

Wer sich mit dem Thema "Fingerfood" für Babys auseinander setzen möchte, der findet auf dem hebammenblog tolle Hinweise mit Pro und Contras. Eine Literaturempfehlung habe ich auch noch: Baby-led Weaning - Das Grundlagenbuch: Der stressfreie Beikostweg. Eine richtig praktische Ausstattung für den Fingerfood-Start haben wir bei BabyBjörn entdeckt.