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Stillen nach Bedarf // Warum Zeitabstände dabei keine Rolle spielen

TinyMareen3 Comments

"In welchen Abständen stillen Sie?", fragte mich der Kinderarzt bei der letzten U4-Untersuchung des Sohnemanns. "Keine Ahnung", sagte ich. "Ich stille nach Bedarf. Vielleicht so alle 1,5 bis 2 Stunden." "Stört sie das nicht?", bohrte er weiter. "Nein, absolut nicht. Ich habe das bei unserer Tochter auch so gemacht und es war super.", entgegnete ich ihm. Natürlich wusste ich sofort, worauf er hinaus will. Schon bei Hedi hatten wir das Gespräch, in dem er mir zu Stillabständen von 4 Stunden riet.

Erst gestern abend las ich einen sehr interessanten Artikel von Herbert Renz-Polster (vierfacher Vater, Kinderarzt und Autor) darüber wie verbreitet dieser 4 Stunden Still-Mythos doch ist. Leider scheint es dieses altbackene Märchen auch heute noch zu geben. Es wird von Generation zu Generation einfach weitergetragen. Und es macht mich traurig, weil es mit Sicherheit immer noch Eltern gibt, die diesen Unsinn für richtig halten. Ich möchte hier gar keine bösen Absichten unterstellen. Nein, viel mehr ist es Unwissenheit und wahrscheinlich sogar die Angst alles andere könnte unnormal oder falsch sein.

Dabei sind wir Mütter und Väter es, die am besten wissen, was unsere Babys brauchen. Liebe, Aufmerksamkeit und Nähe - drei Worte mit großer Bedeutung für die kleinen Würmer. All das zusammen finden sie an Mamas Brust (oder auch in Papas Arm mit Flasche). Dort gibt es nämlich oft mehr als nur Nahrung. Hier gibt es neben Wärme auch Trost und Ablenkung bei Schmerz oder Kummer. Warum Kummer? Ganz einfach, wenn die Welt plötzlich wieder so groß erscheint und alles zu viel wird. Die ganzen ersten Wochen und Monate spielen sich an Mamas Brust ab und da hat eine feste Zeiteinteilung einfach keinen Platz. 

Stillen gehört, wenn es denn funktioniert, zu den der schönsten Momente, die man als Mama mit seinem Baby verbringen darf. Ein Akt, der weder nervt noch stört oder zeitraubend ist - so jedenfalls empfinde ich es. Mehr Zuneigung kann ICH meinem Kind nicht schenken und ich mache es unheimlich gern. Ich plane das in meinen Alltag mit ein und lege darum Termine oder Ausflüge so, dass es funktioniert.

Und darum geht es für mich vor allem in den ersten Lebensjahren meiner Kinder. Ich möchte ihnen meine Zeit und mein Zuneigung schenken, denn da wird sie am dringendsten benötigt. Tabellen, Formeln und Lehrbücher haben hier keinen Platz. Den Rhythmus bestimmen wir allein: Das Baby und ich. Ich las einmal eine schöne Beschreibung (zum Artikel) des finnischen Familien-Psychologen Jesper Juul für den Umgang von Eltern mit ihren Kindern "Beziehung statt Erziehung".

Genau diese Aussage beschreibt den Umgang, den ich mit meinem Baby und meiner zweijährigen Tocher pflegen möchte. Diese Beziehung hat mit der Sekunde ihrer Geburt begonnen, wird beim Stillen und in unserem Miteinander fortgesetzt. Mit Mamaherz und Bauchgefühl möchte ich für beide da sein. Ohne Druck und ohne Zwang von außen. Wem dieser Ansatz gefällt, der kann sich gern mit dem Begriff "Attachment Parenting" auseinander setzen. Hier gibt es einen schönen Artikel dazu.