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Persönliches Lifestyle Blogazine für Eltern & Nicht-Eltern

Working Moms // Die Angst vor arbeitenden Müttern

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Herzlich willkommen im 19. Jahrhundert. Ach ne, wir haben ja bereits 2017. Leider ist die aktuelle Zeitrechnung aber in den Köpfen einiger Menschen noch nicht angekommen. Vor ein paar Wochen habe ich nämlich folgendes erlebt: Da ich neben dem Blog hauptberuflich Beraterin für PR und Digitales bin, bekam ich per E-Mail eine Anfrage.

Es ging um eine mögliche Zusammenarbeit, denn man wäre auf der Suche nach einer tollen PR-Agentur. MACHEETE wäre dafür sicherlich bestens geeignet. Ich sah das auch so und nach mehrmaligem Hin- und Hermailen wollten wir uns treffen. Dann stand die Frage nach dem Wo? im Raum und ich durfte entscheiden ob bei uns im Office oder bei denen. Daraufhin schrieb ich folgendes: "Gern bei uns, da ich aktuell eine Working Mom bin. Vielleicht auch schon am Vormittag?"

Tja, was soll ich sagen. Bis heute kam daraufhin keine Antwort. Nennt mich paranoid, aber ich bin mir 100-prozentig sicher, dass es dieser Satz war, der Zweifel im Gegenüber auslöste. Da Jano ja nun schon unser zweites Kind ist, passiert mir das nicht zum ersten Mal. Warum ich nicht zum Kunden gehen wollte, fragen sich vielleicht einige? Erstens wurde ja gefragt, wo. Zweites weigert sich Jano selbst nach 5 Monaten immer noch mal ab und zu Muttermilch aus der Flasche zu trinken.

Wir haben alles versucht: Mehrere Flaschenmodelle, Becher, Löffel ... Niente, Nada. Das Kerlchen möchte nur an Mamas Brust. Schon mehrere Male war ich beruflich ein bis zwei Stunden unterwegs und jedes Mal endete es in einem halben Desaster. Deshalb habe ich mich dazu entschieden keine Meetings außerhalb des Büros zu machen bzw. wenn, nicht ohne mein Baby. Es ist mir eben wichtiger als jeder Job der Welt.

Aber! Das ganze große ABER folgt sogleich. Ist es etwa schlimm eine Mama zu sein, die berufstätig ist? Muss man in der heutigen Zeit verschweigen, dass man wohlmöglich die Frechheit besitzt, Kinder zu haben und zeitgleich was leisten möchte? Sind Kinder nicht unsere Zukunft, die sicherstellen, dass sich alles weiterdreht, wenn wir eines Tages nicht mehr da sind? Was wäre, wenn alle nur noch an Business denken und keiner mehr Kinder in die Welt setzen würde?

Eines möchte ich klarstellen: Seit dem ich Mama bin, arbeite ich härter als je zuvor. Ich antworte zu 95 Prozent innerhalb von 1 bis 2 Stunden auf jede wichtige und auch unwichtige E-Mail. Ich bin schneller mit Projekten fertig als die Deadline es eigentlich vorschreibt. Ich habe ständig Idee, die weit über die geplanten Projektgrößen hinausgehen und bringe sie ohne Boni ein.

Oft sitze ich abends im Home-Office (wenn die Kinder schlafen), um ToDos zu erledigen, obwohl ich es auch morgen machen könnte. Aber es kann ja sein, dass ein Kind über Nacht krank wird und dann würde ich es nicht schaffen. Ich plane also jeden Tag den Worst Case schon vorab mit ein.

Wenn ich abends eines der Kinder ins Bett bringe (man liegt ja oft nur still daneben), mache ich mir Gedanken über Verbesserungen, plane meine Arbeitsabläufe für die Woche oder lese mich in Projekte ein. Ich plane Social Media Beiträge oder schreibe Stichpunkte für die nächste Pressemitteilung auf. Manchmal sogar Nachts beim Stillen, wenn ich danach nicht so einfach weiterschlafen kann.

Warum aber der ganze Stress? Weil ich das Gefühl habe, mich beweisen zu müssen. Weil ich Angst habe, dass jemand sagt: "Seit dem sie Mutter ist, kann man sich nicht mehr auf sie verlassen." Mitgefühl: Fehlanzeigen. Es ist nämlich so, dass im Büro oder am Telefon keiner fragt, ob das Kind nachts jede Stunde wach war, krank ist oder man vielleicht Sehnsucht nach seinem Baby hat. Es interessiert nur die Leistung. Damit habe ich an sich kein Problem. Denn ich war "vorher" wahrscheinlich genauso drauf. Einen Orden für meine Arbeit, brauche ich nicht. Vertrauen dagegen, wäre toll.

Heute muss ich aber sagen: Viele (nicht alle) kinderlosen Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, sind weniger ehrgeizig. Sie verlangsamen oft Projekte, weil sie nicht vorausschauend denken oder vielleicht gar nicht diesen Druck verspüren. Sie können nicht wirklich gut planen und priorisieren. Warum auch? Das Wort "Verantwortung" begreift man nämlich erst, wenn plötzlich ein kleines Wesen da ist, dessen Mama oder Papa man ist.

Ich hatte auch schon öfters Kunden, die Working Moms oder Dads waren und meine Erfahrungen sind nur gute. Man kommt natürlich gleich ins Gespräch und ist eben schnell auf einer Ebene. Klar, kommt auch mal der Anruf, dass das Material nicht geliefert werden kann, weil das Kind krank geworden ist. Aber meistens landet dann doch noch über Nacht eine E-Mail im Postkasten.

Also liebe Menschen, ob mit Kinder oder ohne Kinder. Lasst uns Working Moms/Dads doch einfach arbeiten. Klar, haben wir auch Schwächen, aber das sind sicherlich nicht unsere Kinder. Unser Ehrgeiz ist nicht mit der Geburt unser Kinder verschwunden. Auch wir haben einmal eine Ausbildung gemacht, studiert, Arbeits- und Lebenserfahrung gesammelt, tolle Referenzen angehäuft. Wir sind genau die gleichen Menschen wie früher, nur dass wir in unser Freizeit nicht mehr jeden Abend auf Partys gehen, sondern Sonntag früh auf den Spielplatz.

Danke!